Rollkunstlaufen ist eine Sportart, die auf Rollschuhen in Hallen oder Aussenbahnen ausgeuebt wird. Sie ist dem Eiskunstlaufen aehnlich. Die Artisten praesentieren in Wettbewerben und in Showveranstaltungen einzeln, als Paar oder in grossen Formationen ihre Beherrschung des Geraets und des eigenen Koerpers und fuehren verschiedene Laufelemente wie musikalische Choreographien oder athletische Spruenge vor. Rollkunstlaufen wird sowohl von Kindern ab ca. vier Jahren als auch von Erwachsenen ausgeuebt.

[top] - [edit]Geschichte

Zu Zeiten, als Eiskunstlaufen nur im Winter stattfinden konnte, war Rollkunstlauf der Trainingsersatz fuer Eislaeufer waehrend der Sommermonate. Diese Eigenschaft ist auch der Grund, warum Rollkunstlaufen in seiner Popularitaet bisher im Schatten des Eiskunstlaufens stand. Heute ist Rollkunstlaufen eine eigenstaendige Sportart. Eislaeufer trainieren auch im Sommer auf dem Eis, somit entwickelte sich eine eigene Sportlergemeinde fuer das Rollkunstlaufen.

[top] - [edit]Ausruestung

Die Rollkunstartisten tragen Rollschuhe mit vier Rollen und einem Stopper, auch Quads genannt, an ihren Fuessen. Die Kleidung besteht oft aus Kostuemen, die durch Material, Stil und Farbgebung den Charakter der vorgetragenen Choreographie unterstreichen sollen.

[top] - [edit]Disziplinen

thumb|Ein Rollschuh fuer den Rollkunstlauf
Rollkunstlaufen wird in mehrere Disziplinen unterteilt. Auf Wettbewerben wenden die Veranstalter ein Reglement an, das den jeweiligen Disziplinen die vorzutragenden Laufelemente vorschreibt.

[top] - [edit]Einzellaufen Damen oder Herren

====Pflichtlaufen====
Beim im Eiskunstlauf abgeschafften und im Rollkunstlauf immer wieder in Diskussion stehenden Pflichtlaufen werden Figuren auf 6 m grossen Kreisen (Durchmesser), bzw. auf Schlingen vorgetragen. Die geometrischen Figuren erlauben diverse Kombinationen aus Boegen. Je nach Schwierigkeitsgrad traegt die Laeuferin vorwaerts oder rueckwaerts fahrend auf verschiedenen Kanten (auswaerts bzw. einwaerts) eine Figur (zum Beispiel Drehungen wie Dreier, Doppeldreier oder Gegendreier, Wende oder Gegenwende) in stetiger Wiederholung vor. Hierbei werden die Elemente auf den Kreisen/Schlingen gelaufen. Das Pflichtlaufen erfordert nicht nur physische Fitness und eine gute Koerperbeherrschung sondern auch eine starke Konzentration auf die Figur. Pflichtlaufen wird demnach auch oft als Bedingung fuer das Kuerlaufen betrachtet, da es grundlegende Fertigkeiten wie Kantenlaufen, aufrechte Haltung und Koerperbewusstsein schult.

[top] - [edit]Kuerlaufen

Die Laeuferin oder der Laeufer traegt wie beim Eislaufen Kuerelemente vor. Dies sind Spruenge, Pirouetten und Schrittfolgen.
Als Spruenge zeigen die Sportler hauptsaechlich Toeloop, Salchow, Flip, Rittberger, Lutz und Axel. Wie im Eiskunstlaufen findet man auch Pirouetten in Waage-, Sitz- und Standposition. Jedoch kommen auch weitere Pirouetten, artistischer als beim Eislaufen, vor. Zu diesen amerikanischen Pirouetten, benannt nach ihrem Ursprung in den USA, gehoeren zum Beispiel Inverted (man rotiert zusaetzlich noch um 180° horizontal, dreht also mit dem Ruecken zum Boden in Waageposition), Hacke (man rotiert auf den Hackenrollen, d. h. den hinteren zwei Rollen) oder Broken Ankle (man rotiert nur auf den zwei Innenrollen). Weiterhin wird ausfuehrliches Schrittmaterial, die Schrittfolgen, als Verbindungselement zwischen den Elementen verlangt.

[top] - [edit]Paarlaufen

Ein Herr/Junge und eine Dame/ein Maedchen laufen zusammen, sie zeigen Einzelemente des Einzellaufens (Spruenge, Pirouetten, Schrittfolgen) und Paarlaufelemente (Paarlaufpirouetten und Wurfspruenge sowie Hebungen).

[top] - [edit]Rolltanzen

Ein Herr und eine Dame laufen Schritte auf den Rhythmus der Musik. Hier wird nicht die Melodie, wie z. B. beim Kuerlaufen, sondern der Takt der Musik betont. Hebungen sind nur bedingt erlaubt, ausserdem sind Sprungelemente verboten. Tanzpirouetten sind ebenfalls nur eingeschraenkt gestattet.

[top] - [edit]Solotanzen

aehnlich wie das Rolltanzen, jedoch laeuft hier jeder fuer sich. Der Wettbewerb Solotanzen wird nicht nach Geschlecht unterschieden.

[top] - [edit]Show-, Schaulaufen

Hier steht der Schaulaufeffekt der Unterhaltung im Vordergrund. Showlaeufer laufen allein (Solo), zu zweit (Duo), als Quartett (klassische Vierergruppe) oder in Gruppen (ab sechs Laeufer/innen). Einzelelemente des Kuerlaufens sind nur bedingt zulaessig.

[top] - [edit]Formationslaufen

Formationslaeufer betonen die technische Schwierigkeit des Zusammenlaufens vieler Laeufer. Hier werden verschiedene Formationen, d. h. Kreise, Bloecke, Muehlen oder Raeder und weitere geometrische Formen, moeglichst exakt gelaufen.

[top] - [edit]Inline Artistic

Neu im Bereich Kunstlauf ist die Nutzung sogenannter Inline Artistic Skates. Sie sind den Inline-Skates aehnlich, haben jedoch nur drei Rollen und den Stopper wie bei den Rollschuhen vorne. Diese Eigenschaft ermoeglicht ein Kuerlaufen wie beim gewoehnlichen Kunstlaufen. Pflichtlaufen findet nicht statt.

[top] - [edit]Beurteilung bei Wettbewerben

===Pflichtlaufen===
Die Bewertung der Figur erfolgt ueber eine Skala von 0 (nicht gelaufen) bis 10 (perfekt). Hierbei werden 1/10-Schritte zur weiteren Unterteilung verwendet.

[top] - [edit]Kuerlaufen, Tanzen, Formationslaufen, Show

Die Bewertung erfolgt durch zwei Noten, die A-Note fuer die technische Schwierigkeit des Programms, die B-Note fuer die Ausfuehrung und die kuenstlerische Gestaltung des Programms. Die Note reicht von 0 (nicht teilgenommen) bis 10 Punkte (perfekt). Es erfolgt eine Skalierung in 1/10-Schritten.

[top] - [edit]Verbreitung in der Welt

Es finden jaehrlich Welt-, Europa- und nationale Meisterschaften im Rollkunstlaufen und Rolltanzen sowie den weiteren Disziplinen statt. Erfolgreichste Nation bei diesen Titelkaempfen ist heutzutage Italien. Italien gewinnt nicht selten alle Disziplinen. Allerdings holte Deutschland insbesondere in der Pflicht der Damen in den letzten Jahren (seit 2002) sehr haeufig den Weltmeister- oder Vizeweltmeistertitel.
Auffaellig ist bei den Italienern die Dominanz im Kuerlaufen, durch Dreifachsprungkombinationen und artistische Pirouetten, im Pflichtlaufen durch eine wie mit dem Stift gezeichnete Figurfuehrung mit schoenen Kanten und nahezu perfekten Koerperhaltungen. Weiterhin bestechen italienische Laeufer durch Eleganz gepaart mit einer nahezu unnachahmlichen Dynamik und Lebensfreude im Ausdruck. Ins Auge faellt ausserdem die Spezialisierung der Italiener, oftmals starten Laeufer nur in einer Disziplin, Pflicht oder Kuer.
In den 50ern, 60ern und 70ern war Deutschland die erfolgreichste Rollkunstlaufnation. 1955 wurde mit Helene Kienzle sogar eine Rollkunstlaeuferin zur Sportlerin des Jahres gewaehlt. Heute gewinnen Starter des Deutsche Roll- und Inline-Verbandes e. V. groesstenteils Medaillen bei den Pflichtlaeufern oder in der Kombination ? hier werden Pflicht- und Kuerergebnisse zusammengezaehlt. Insbesondere in der Pflicht bei den Damen gab es in letzter Zeit (seit Anfang 2000) des oefteren Weltmeistertitel sowohl im Junioren- als auch im Seniorenbereich.
Aktuelle Medaillentraeger aus der letzten Zeit (seit Anfang 2000) sind Frank Albiez, seit Jahren bei den Herren an der Weltspitze, aber auch Nathalie Heinz, Patricia Stolzenberg, Constance Hossfeld, Monika Lis, Sarah Bergmann, Nina Zoellner, die Woyciechowski-Geschwister sowie auch deutsche Formationen.
Weitere populaere Nationen sind: Argentinien, Frankreich, Italien, Spanien, Kroatien, China-Taipei, Australien, Neuseeland, Brasilien, USA, Portugal, Belgien, Niederlande, u. v. m.

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